Rezension zum Konzert von „Romy Camerun“ - von Marko Luptscho (OZ)

 
Östliche Altstadt. "Ich bin Fan und habe endlich was gefunden. Rostock ist nicht gerade das Pflaster für Jazz-Musik. Wir sind jetzt das zweite Mal hier und es hat uns zugesagt", sagte Joachim Grünberg, der mit seiner Frau am Dienstagabend zum Bogart's Music Agentur in den „Ursprung“ kam. Claudia Fellerhof wohnt seit einem halben Jahr in Rostock besuchte zum ersten Mal den Klub: "Mir gefällt die Musikrichtung. Ich war vorher auch schon bei anderen Veranstaltungen."

Hundert Jahre alt ist die Jazzmusik mittlerweile. Doch von Altersmüdigkeit keine Spur: Rostocker Klubs verzeichnen wachsende Besucherzahlen. Der Jazz in der Hansestadt lebt und erfreut ein stetig wachsendes Publikum. Im April feiert der Bogart's Music Agentur sein einjähriges Bestehen. Mit seiner Spielstätte auf der Kleinkunstbühne „Ursprung“ ist er aus Rostocks Szene nicht mehr wegzudenken. Seinen Namen verdankt die Veranstaltungsreihe dem Schauspieler Humphrey Bogart.


"Der Name steht für die 40er-Jahre. Eine Zeit, in der der Jazz seine größten Erfolge feierte", sagt Burkhard Struck. Er ist der Initiator der Veranstaltungsreihe. Das Programm für ein Jahr muss er schon im voraus planen. "Ein ganzes Jahr hört sich ja viel an, aber der Hintergrund ist, für die Besucher einen bestimmten Cocktail zu mixen. Da müssen alle Genres wie Modern Jazz, Swing und Blues mit unter einen Hut gebracht werden." Am Dienstag war es dann wieder soweit. Die Bremerin Romy Camerun und ihre Band hatten sich angesagt.

Der Andrang war so riesig, dass manch einer sich mit einem Stehplatz zufrieden geben musste. Die Sängerin, die den Rhythmus von Jazz und Blues in sich trägt, präsentierte eine feine Balance zwischen Gefühl und Virtuosität.Mit ihrer vierköpfigen Begleitband spielte sie immer wieder alle Stilrichtungen der Jazz-Musik an. Der Funke sprang sofort aufs Publikum über, das der Sängerin und ihrer Band mit stürmischen Applaus dankte. Neue Veranstaltungen wie den "Jazz im Ratskeller" und "Bogarts Groove Club" bieten auch eine neue Art Jazz zu erleben. Der Spagat zu neuen Rhythmen und Stilrichtungen verleiht dem Jazz ein neues Gesicht. Tanzen, erzählen, nebenbei essen sind neue Formen im Umgang mit dieser Musik und trägt den Jazz dorthin vorher er kommt: In die Herzen der Menschen.


MARKO LUPTSCHO – Ostseezeitung 5.01.2003