Rezension zum Konzert des Leipziger Saxophon Quartett im "Bogart's Music Agentur" am 03.09.2002

Es ist keine Seltenheit, dass Musiker in einer Jazzcombo auch im klassischen Fach tätig sind. Die Mitglieder des Leipziger Saxofon Quartetts spielen alle in klassischen Ensembles und nicht in irgendwelchen. Das Leipziger Gewandhaus, die Staatskapelle Dresden oder die Staatsoper Berlin sind ihre Wirkungsstätten. Das exzellente Handwerk ist von der ersten Note an zu hören. Die ausgefeilten Arrangements, zumeist aus der Feder des Gründers der Band Rolf von Nordenskjöld, weisen Brillanz, Geschmack und filigrane Einfälle auf, die ein diszipliniertes Spiel erfordern.

So bekommt der Abend einen Konzertcharakter, der dennoch den Aspekt der beschwingten Unterhaltung nicht vermissen lässt. Denn schwermütig oder intellektuell sind die Botschaften der fünf Musiker keineswegs. Unbekümmert und sympathisch kommen Bernd Brückner und seine Kollegen auf der Bühne daher, nicht nur beim Musizieren, sondern auch in Gesprächen mit der Moderatorin Ines Delph. Ihnen ist die Freude auf das Konzert und der Spaß an diesem Abend anzumerken. Das Publikum erlebt einen homogenen Klang, der an Studioaufnahmen großer Big Bands erinnert, in denen Bläsersätze Zuhörern eindrucksvoll in Erinnerung bleiben.

Dabei gefällt das charmante Spiel der einzigen Frau der Combo, Karola Elssner ebenso wie das des jüngsten Mitglieds, Andre Bauer. Die Besucher von Bogart's Music Agentur erleben Alt-, Bariton-, Tenor- und Basssaxofone und Musiker, die jeder solistisch etwas zu sagen hätten. Doch weder Nordenskjöld, selbst Leiter einer Big Band, Komponist und Arrangeur, Lehrer an einer Musikhochschule und Gründer verschiedener Jazzformationen, noch Frank Nowicky, Chef der Leipzigbigband und Arrangeur oder Bernd Brückner, derzeitiger Bandleader des Quartetts und Mitglied der Klaus Fischer Big Band unternehmen den Versuch den besonderen und vermutlich für dieses Quartett charakteristischen Klang aufzuweichen. Jeder in dieser Combo hat eine wichtige und eigenständige Aufgabe und dennoch oder vielleicht gerade daher ordnet sich alles Tun dem Ziel unter, ein musikalisches Ganzes zu erzeugen. Dieses Moment scheint Bonus und Begrenzung zugleich zu sein. Bonus, weil etwas entsteht, dass man selten von Jazzformationen hört, in denen doch an der einen oder anderen Stelle Profilierungsdrang Raum gewinnt und einzelne Künstler näher ans Rampenlicht rückt. Begrenzung, weil soviel Brillanz, Geradlinigkeit und Disziplin wenig Spielraum für Überraschungen lässt. Das Publikum beschäftigt das jedoch scheinbar nicht. Bewunderung und Aufmerksamkeit machte sich im Club breit, man unterhält sich kaum und wenn, nur gedämpft. Viele Gäste scheinen das Rauchen zu vergessen oder für Nachschub an Getränken zu sorgen.

Nicht nur die Tatsache, fünf Saxofonisten vereint zu hören, was zweifellos nicht häufig vorkommt, war für dieses bewundernde Interesse verantwortlich – es war ohne Frage die Qualität, in der sich die fünf Künstler vereinigten. Ein niveauvoller, unterhaltsamer Abend.